Fokussierte Ultraschalltherapie: Hirnverbrannt II … der Akt

Über Fokussierte Ultraschalltherapie gegen neurogene Schmerzen – Teil II: Der Tag der Wahrheit.

English: Focused Ultrasound Treatment: Burning out the pain II – The intervention

Hier zu Teil I: Fokussierte Ultraschalltherapie: Hirnverbrannt I… das Vorspiel

Übertrieben viel Schlaf schenkte mir die letzte Nacht nicht. Schlimmer noch: Morgens gab’s kein Frühstück. Dabei hatte ich gerade das in den letzten Tagen so genossen. Nicht nur hatte ich nun Hunger, Rühreier mit Schnittlauch wären eine willkommene Ablenkung – wenn auch nur für 5 Minuten … oder weniger.

Auf die Plätze …

Doch drehen wir die Uhr ein wenig nach vorne. Genauer gesagt auf 10:00 Uhr, als die Vorbereitungen begannen: Noch einmal den Kopf rasieren – bei mir naturgemäß kein besonderer Aufwand – und danach direkt zur Anmeldung in der Klinik. Dort bekam ich neben einem Beruhigungsmittel auch einen Venenzugang gelegt, bei dem Murphy nochmal nach Aufmerksamkeit lechzte. Zwei, drei Stiche später war aber auch das geschafft.

… fertig …

Der Patient im Rollstuhl sitzend mit einer metallischen Krone, die am Kopf befestigt wurde. Im Hintergrund einer der behandelnden Ärzte.
Dr. Jeanmonod und ich kurz vor dem Eingriff. Die ‚Krone‘ an meinem Schädel festgeschraubt.

Kurz vor 13:00 Uhr der Startschuss. Zuerst wurden 4 Punkte an meinem Schädel betäubt. An diesen Punkten wurde im Anschluss eine Krone befestigt, die verhindern sollte, dass sich mein Kopf während der Behandlung bewegt. Trotz der Anästhesie war der Druck klar zu spüren.

Kurz darauf wurde ich auf ein Bett gelegt, an dem Krone und Kopf festgeschraubt wurden. Anspannung pur. Vom Hals abwärts konnte ich nicht aufhören zu zittern, mir war eiskalt. Das konnten auch die vielen Schichten an Decken, die mir die freundlichen Mitarbeiter nach und nach überwarfen, nicht ändern.

… los.

Auch im MRT selbst war es nicht besonders angenehm: Der Kopf festgeschraubt, die Ohren zugestöpselt und der Ausblick … ließ zu wünschen übrig. Die Geräusche der Magnetresonanz setzten ein. Ein stetes Surren, Knacken und Hämmern. Man gewöhnt sich daran.
Vor dem ersten Einsatz des Ultraschalls kam nochmal der Radiologieassistent herein und klärte mich über die folgenden Schritte auf. Im Verlauf der folgenden vier Stunden sollte er mich immer wieder besuchen. Rückblickend denke ich, dass ich die Behandlung ohne ihn nicht durchgestanden hätte. Zwar wusste ich vom Kopf her, dass ich nicht alleine war, doch erst durch diese Besuche fühlte es sich auch so an.

Zermürbendes Vogelgezwitscher 

Nachdem mein Besucher den Raum verlassen hatte, kam der große Moment – Zeit für den Ultraschall. Es wurde nicht gleich zu Beginn mit voller Energie gearbeitet, weshalb es sich vorerst auch nicht schlimm anfühlte. Problematisch wurde es erst, als die Energie aufgedreht werden musste, um auf die für die Verödung des Zielpunkts notwendige Temperatur zu kommen. Was mit einem angenehmen Wärmegefühl im Kopf begann, entwickelte sich in nur wenigen Sekunden zu einem fast unerträglichen Schmerz. Als ich gefühlt kurz vor der Ohnmacht war, konnte ich so etwas wie eine elektrische Entladung vernehmen und der Schmerz verschwand so schnell, wie er eingesetzt hatte. Diese Entladung schilderte ich auch dem Radiologieassistenten bei einem seiner Besuche. Wenn ich das Geräusch in Worte fassen müsste, käme ihm „Tsib“ wohl am nächsten.
Dieses Procedere sollte sich in den folgenden Stunden mehrfach wiederholen. Eine immer gleich bleibende Abfolge an Geräuschen bereitete mich auf die schmerzhaften Phasen vor. So sehr ich es versuchte, konnte ich nicht verhindern, mich schon beim Hören dieser Abfolge extrem anzuspannen. Jeder Ultraschall-Einsatz raubte mir Stück für Stück mehr Energie. Meine Reserven waren am Limit. Erschöpfung oder Gewöhnung – mit der Zeit nahm ich den Schmerz immer weniger intensiv wahr, ich driftete irgendwann einfach weg, wartete auf das entlastende Tsip.

Zielpunkt erreicht

Nach einer gefühlten Ewigkeit war es endlich geschafft. Einigermassen weggetreten wurde ich in den Rollstuhl getragen. Während mir die Krone abgenommen wurde, klärten mich die Ärzte darüber auf, dass der Eingriff ein Erfolg war und alle Zielpunkte verödet werden konnten. Sie hätten kämpfen müssen, gestanden sie. Und dass es ohne meine Durchhaltefähigkeit nicht hätte klappen können. In diesem Moment fiel der ganze Druck von mir ab. Komme was wolle, ich hatte es überstanden, ich hatte meinen Teil getan. Ich klappte zusammen und brach in Tränen aus – nichts mit Gesicht wahren, keine Chance.

Warum aber war der Eingriff so schwierig? Niemand, dem ich bisher darüber berichtet habe, konnte sich bisher ein Kommentar über meinen ‚Dickschädel‘ oder ‚Sturschädel‘ verkneifen: Mein Schädelknochen ist wohl überdurchschnittlich absorbent. Nein, nicht dick auch nicht hart … absorbent. Demzufolge war mehr Energie notwendig, um auf die richtige Temperatur am Zielpunkt zu kommen. Das war es auch, was den Schmerz während des Eingriffs verursachte. Während also andere, so wurde mir berichtet, bei der Intervention zum Teil sogar einschlafen, musste ich mir das Ergebnis erarbeiten. Man kann sich seinen Schädel nicht aussuchen.

Lachs und Rührei

Zurück im Zimmer der Station wurde mir noch einmal beim Transfer ins Bett geholfen. Ich bekam ein Schmerzmittel gegen den Druck im Kopf und begann vor mich hin zu dösen. Später, in einer kurzen Zeit des Erwachens, schlang ich noch schnell das bereit gestellte Abendessen hinunter. Ein Lachsfilet mit Kartoffeln. Die erste Mahlzeit in knapp 24 Stunden. Unglaublich gut. Schlingen und Genießen widersprechen sich nicht immer. Kurz darauf driftete ich wieder weg.

Die Nacht war, wie in Krankenhäusern üblich, tendenziell unruhig. Auch der eine oder andere Schmerz schoss gelegentlich ein. In dem Moment war ich allerdings zu erschöpft, um dem wirklich Aufmerksamkeit zu schenken. Dies sollte sich in den folgenden Tagen und Wochen ändern. Doch dazu später.
Glücklicherweise konnte ich die Klinik schon am nächsten Morgen verlassen. Die kommenden 2 Nächte würde ich wieder im Hotel verbringen. Vor dem Abmelden kam noch kurz einer der beiden behandelnden Ärzte vorbei und bestätigte nochmal, dass der Eingriff gut verlaufen war. Näheres würden wir folgenden Tag bei der Abschlussuntersuchung besprechen. Er gab mir noch einige Tabletten mit, um mögliche Schwellungen des Gehirns zu verhindern, und verabschiedete sich. Danach war Eile geboten: Schnell abmelden, raus aus der Klinik und zurück ins Hotel. Schließlich schloss das Frühstücksbuffet schon um 10:00 Uhr. Heute würde ich mir die Rühreier nicht entgehen lassen.

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Weiterführende Links:

Sonimodul – Zentrum für funktionelle Ultraschall-Neurochirurgie: sonimodul.ch

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