Sitkite-Spotguide ‚Alto Garda Kite‘ – Riva del Garda

Der Verein Alto Garda Kite A.S.D. hat im Jahr 2018 seine Pforten auch für Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung geöffnet. Hier ein grober Überblick.

English: Adaptive Kiteboarding – Schoolcheck ‚Alto Garda Kite‘

Die Kite-Saison am Gardasee steht in den Startlöchern. Wie die meisten Kennerinnen und Kenner wissen, ist die Region rund um Torbole und Riva allerdings Windsurfern und Seglern vorbehalten. Grund: Die Nordspitze des Sees gehört zur Provinz Trient. Kitesurfen ist dort verboten. Doch hat ein kleiner Verein in Riva eine Möglichkeit gefunden, sich den Spass am Kiten nicht verderben zu lassen. Die ausgeschlafenen Mitglieder nutzen einfach ein Boot, um Strassenverkehr wie auch legale Hürden zu umfahren. Jedes mal, wenn Aiolos es zulässt, tuckern sie entspannt auf dem See gen Süden in die Provinz Verona … wo Kitesurfen erlaubt ist. Et Voilà – die Kitesession ist gerettet.

Alto Garda Kite ist der Name dieses sagenumwobenen Vereins. Abgesehen von seinen gallischen Eigenschaften (für mich hat das Ganze schon etwas von Asterix und Obelix) zeichnet sich der Verein aber durch eine weitere Besonderheit aus – dem eigentlichen Grund dieses Artikels …

Kiteboarding für Rollis

Sitzender Kitesurfer bei einem Sprung am Gardasee.
Markus Pfisterer war der erste Sitkitesurfer, der den Gardasee sitzenderweise einweihen durfte.

Die im Verein eingebettete Kiteschule ist die einzige in ganz Norditalien und der Alpenregion, die Kitekurse auch für Rollis anbietet. Und das in eindrücklicher Manier. Nachdem sich das Team über die Besonderheiten der Kiteschulung für Sitzende hat einweisen lassen, starteten im letzten Jahr (2018) die ersten Kurse. Das Resultat: Die Nachfrage war schon in der ersten Saison so gross, dass sie einige Interessenten vertrösten mussten … Hammer!

Trotzdem hatte ich das Glück, an einem Wochenende mit an Bord sein zu dürfen. Ich war begeistert. Trotz schwächelndem Wind. Es war alles stimmig: Angefangen von der Infrastruktur, über die Location bis hin zum Team, einer Gruppe unkomplizierter, hilfsbereiter und freundlicher Kite-Maniacs.

Sehen wir uns das ganze aber ein wenig genauer an …

Location und Infrastruktur

Altogardakite befindet sich im Sporthafen Porto San Nicolò direkt vor dem Tunnel, der Riva mit Torbole verbindet. Parken kann man direkt im Hafenareal. Wer möchte und darf, sogar auf einem der ausgewiesenen Behindertenparkplätze. Ist das Auto erst mal abgestellt, gilt es keine 100 Meter zurückzulegen bis man an eine kleine Rasenfläche kommt, in der ein unscheinbares Gartenhäuschen steht: Welcome to the Headquarters of Alto Garda Kite.

 

Ein Rollstuhlfahrer und zwei weitere Kiteschüler zeigen die frisch erworbene Mitgliedskarte. Auch Gründungsmitglieder des Vereins lächeln in die Kamera. Im Hintergrund das Gartenhäuschen des Vereins mit dem Schriftzug 'Altogarda Kite'.
Alto Garda Kite darf sich über drei neue Mitglieder freuen.

 

Im gesamten Hafenbereich ist die Fortbewegung im Rolli ziemlich einfach. Der Parkplatz ist gut asphaltiert und der Rasen vor Vereinshütte ist schön flach und stets gemäht. Als Mitglied des Vereins hat man selbstverständlich Zugang zu den Sanitäranlagen des Hafens. Diese beherbergen auch ein barrierefreies WC inklusive Dusche in gut gepflegtem Zustand. Einziger Wermutstropfen: Die barrierefreie Nasszelle befindet sich in der Damen-Umkleide. Als als Repräsentant des männlichen Geschlechts fühlt man sich dann doch ein wenig als Eindringling und klopft vor dem Eintreten am besten nochmal an.

Durch Riva bis die Fahnen flattern

Während man auf den Wind wartet, kann man es sich auf einer Beanbag in der Wiese gemütlich machen oder noch schnell auf einen Kaffee zur ‚Sailing Bar‘ nebenan vorbei schauen. Auch ein Spaziergang an der See-Promenade ist eine reizvolle Option.
Generell ist Riva del Garda für das rollende Volk nicht unangenehm. Der 17.000 Seelen-Ort lässt sich entspannt im Rollstuhl erkunden, da er zum Einen recht übersichtlich und zum Anderen erstaunlich flach ist – innerhalb des Orts macht man allerhöchsten im Aufzug des Hotels den einen oder anderen Höhenmeter.
Egal, wie man sich die windlose Zeit vertreibt, Hauptsache man ist rechtzeitig wieder Vorort, wenn sich der Schalter umlegt. Denn sobald die Fahnen zu flattern beginnen und die ersten Schaumkronen am See zu sehen sind, geht’s los. Erster Schritt: Rein in den Neoprenanzug … für ungeübte Rollis ist schon das ein schweisstreibender Kalorienkiller. Ist diese Hürde genommen, geht’s ins Boot. Wie? Einfach über den Steg hineinrollen. Zu einfach, um wahr zu sein. Purer Luxus.

Das Platform Boot des Vereins auf dem See. Die Sonne scheint und im Hintergrund sieht man 2 Kites.
Alles startklar – das Boot hat die Kitezone erreicht.

Sind alle an Bord und das Material sicher verstaut, läuft das Pontoon Boot aus. Kurs Süd: In Richtung Wind und Kitezone. Viel länger als 10 Minuten dauert die Fahrt normalerweise nicht. Je nach Bedingungen kann es etwas frisch werden, auch den einen oder anderen Spritzer Wasser bekommt man in der Regel ab. Aber keine Sorge. Erstens handelt es sich um … naja … Wasser; Und zweitens: Wem das schon zu viel ist, der sollte sich das mit dem Kiten vielleicht doch noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Be (in the) water my friend.

Am Zielort angekommen, wird der Kite aufgepumpt und aus dem Wasser gestartet. Wie es nun weitergeht, ist vom Level jedes einzelnen abhängig. Am einfachsten ist es bei Könnern. Diese stürzen sich einfach in die Fluten und toben sich aus. Nach der Session wird dann einer nach dem anderen wieder aufgegabelt und ab geht’s zum Hafen.

Ein Kiteschüler sitzt sicher in einem Autositz auf dem Boot und lernt die Kite-Steuerung. Der Kitelehrer kniet daneben und unterstützt den Schützling.
In den ersten Stunden gilt es die Kitesteuerung zu erlernen.

Interessanter wird es in der Schulung. Anfänger setzen sich in einen auf dem Boot montierten Autositz und können darin ohne jegliches Risiko die Kitesteuerung lernen. Ist man schon einen Schritt weiter, geht es zusammen mit einem Kitelehrer zum Bodydragging ins Wasser. Um nichts dem Zufall zu überlassen, hakt sich der Lehrer währenddessen beim Trapez des Schülers mit ein. Klappt auch dies, kommt der grosse Moment: Endlich geht’s mit Board und Kite ins nasse Element. Zeit für die ersten Startversuche. Ein Schlüsselmoment, bei dem etwas Nervenkitzel durchaus nachvollziehbar ist. Nicht nur ist man bloss noch einen Wimpernschlag vom tatsächlichen Kitesurfen entfernt, man ist auch das erste mal ganz auf sich selbst gestellt. Nein, natürlich ist das nicht der Fall, aber es könnte sich durchaus so anfühlen. Denn auch wenn Kite-Lehrer und Boot immer in der Nähe sind, ist es das erste Mal, dass niemand auf Tuchfühlung ist, um direkt einzugreifen. Doch kein Grund, sich zu fürchten. Ich wiederhole: Das Boot ist immer in der Nähe. Abgesehen davon sollte man mittlerweile schon wissen, wie man die „Reissleine“ zieht.

Platz noch und nöcher 

Ein Sitkiteboarder auf dem Wasser. Hinter dem Board sieht man den Spray des Wassers. Im Hintergrund ist der Kite zu sehen.
Mit Willem Hooft hat ein weiterer erfahrener Sitkiter die Bedingungen am Gardasse genossen.

Gerade wer schon vollere Spots hat kennen lernen dürfen, wird das Altogardakite-Erlebnis geniessen. Es hat erstaunlich viel Platz im Wasser und der Wind ist ziemlich konstant. Man kann also nach Herzenslust herumprobieren und braucht sich um Höhe keine großen Gedanken zu machen. Und sollte es mal weiter nach Lee gehen als geplant, ist die Crew immer zur Stelle, um „Treibgut“ aus dem Wasser zu fischen bevor der Rückweg angetreten wird.

Zurück im Hafen heisst es erst mal raus aus dem Neo. Vielleicht noch eine schnelle Dusche zum Aufwärmen und ab zur Wiese, um den Nachmittag in aller Gemütlichkeit ausklingen zu lassen. Während die letzte Session ausgiebig diskutiert wird und die trainierten Manöver sorgfältig unter die Lupe genommen werden, kann es durchaus vorkommen, dass man in der einen oder anderen Hand ein Bier entdeckt, vielleicht sogar in der eigenen … verdientermassen.

Eckdaten Alto Garda Kite:

Die angegebenen Preise gelten für alle Mitglieder … mit und ohne …
Mitgliedschaft: 30€ pro Jahr
Shuttle: 30€ pro Session (25€ pro Session bei Erwerb eines 10er-Blocks)
Kitekurs: 420€ (Dauer ca. 5 Stunden. Material und Jahresmitgliedschaft sind inbegriffen.)
Saison Beginn: die Saison mit adapted Kitesurfing Kursen beginnt ab Ende Mai, sobald es die Wassertemperaturen zulassen. Da es sich um einen kleinen Verein handelt und die Kite-Lehrer nicht Vollzeit arbeiten, können pro Saison maximal 10 Rollstuhlnutzer aufgenommen werden.

Kontakt:
A.S.D. ALTO GARDA KITE
Loc. Porto San Nicolò,
38066 Riva del Garda – TN
info@altogardakite.it
https://www.altogardakite.it/index.php/de/
Tel: +39 348 2438858

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Weitere Infos:

Wind
Tatsächlich gibt es nur zwei Windrichtungen am Gardasee. Früh Morgens den Pelér aus Nord bis ca. 11:00 Uhr. Nachmittags ab ca. 13:00 Uhr die Ora aus Süd.

Unterkunft
Residence Centro Vela ***… befindet sich direkt gegenüber des Sporthafens. Dort stehen rollstuhlfreundliche Wohnungen zur Verfügung (Preis: ab 88€/Nacht¹)

Hotel Bellariva ****… befindet sich nur 200m von der Kiteschule entfernt und bietet ebenfalls barrierefreie Zimmer an (Preis EZ: ab 112€/Nacht²)

Camping Brione … befindet sich nur wenige hundert Meter von der Kiteschule entfernt und bietet barrierefreie Bungalows an (Preis ab 71€/Nacht³). Für diejenigen, die im Auto oder Zelt schlafen, stehen barrierefreie Sanitärräume zur Verfügung (siehe Galerie Foto 27/32)

Links:

Fotos von Alto Garda Kite A.S.D.
Logo Alto Garda Kite a.s.d. Schwarz auf weiss gezeichneter Kitesurfer inkl. Schriftzug und Website des Vereins

Verweise:

¹ siehe www.centrovela.eu : Preis für Kategorie ‚Comfort‘ (bis 5 Personen) mit geräumiger Dusche (siehe Fotos auf Hotel-Website); Stand: 17.04.2019
² siehe www.hotelbellariva.com : Foto 32/46 in booking.com zeigt Badezimmer; Stand: 17.04.2019
³ siehe www.campingbrione.com ; Stand: 17.04.2019

 

 

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